Nur zu.

„Nur zu“, antwortet Herr Speedhiking, als ich sein neues Regal bewundere und „Jetzt will ich auch eins“ sage.

Nur zu, ja ja.
Wenn das so einfach wäre.
(Natürlich ist es so einfach. Weiß ich doch. Eigentlich.)

Irgendwann, irgendwo bin ich über einem Persönlichkeitstest gestolpert: wie das bei Persönlichkeitstests so üblich ist, wird man in Schubladen eingeteilt, in diesem Fall anhand eines Regals, beziehungsweise der Herangehensweise an ein Regal.

Leider weiß ich nicht mehr, wie der Test hieß, weiß auch nicht mehr, wie die Schubladen hießen, weiß also überhaupt nur noch sehr wenig. Was ich mir gemerkt habe:
Eine der Schubladen war mit so etwas wie „Planen“ überschrieben. Was bedeutet, dass die Phase vor dem Regalbau ungleich länger dauert, als der Regalbau selbst. Informationen sammeln, planen, noch mehr planen und schließlich das beste aller Regale zusammenbauen.

Dann gibt es eine Schublade mit Leuten, die sofort in den Baumarkt fahren, Bretter und anderes Zubehör einkaufen und – wieder zu Hause – merken, dass die Bretter nicht durch die Haustür passen, die Farbe bei Tageslicht wie Hühnerkacke aussieht und das notwendige Werkzeug dummerweise noch bei Opa im Keller liegt. Aber egal, irgendwie klappt das dann doch mit dem Regal.

Es gab noch andere Schubladen, deren Überschriften und Inhalte ich allerdings vergessen habe.
Und es gibt meine Schublade.

Meine Schublade ist voller Bedenken. So eine Backgroundmusik, die sofort einsetzt, mir einredet, ich könne das eh nicht, Regalbau, also wirklich und selbst wenn, es fehle doch an allem, wir haben nicht mal mehr einen Akkuschrauber (bräuchte man einen?), man müsste zum Baumarkt fahren, man müsste wissen, was man will, vor allem auch, wie das gewünschte Regal überhaupt aussehen soll, und, und, und.
Die Hintergrundmusik gipfelt in der Frage: „Brauche ich wirklich ein Regal?“
Und sie wird mit Nein beantwortet. Viel zu viele Umstände. Unmöglich. Lohnt den Aufwand nicht.
Tada. Schon ist das Regal, das es sowieso noch gar nicht gegeben hat, Vergangenheit geworden.

Aber schön wäre es schon.

Nur zu.
Vielleicht ein neues Jahresmotto. Ist ja bald Silvester und nächstes Jahr wird sowieso alles anders besser noch besser. Nicht wahr?

Allgemein

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