Weh.

Zuhause bin ich, ganz unverkennbar.

Unverkennbar, das sagt auch Frau W. in der Metzgerei, den Faden verliert sie gar, als sie m sieht, Also das ist ja unverkennbar!, ruft sie, meint aber nicht mich damit, jedenfalls nicht so, wie es all die anderen in der Zwischenheimat meinten.
Unverkennbar, wiederholt Frau W., und ihr Kunde muss drei Mal wiederholen, dass er einen halben Ring Lyoner möchte.

Zuhause, und das auch schon im neuen Haus, in dem es jetzt klingelt; G. klingelt, die Nachbarin, die so viel mehr ist als das; jetzt hat m ihren Spaß und ich auch und G. (glaube ich) ebenso.

Zuhause, das ist samstags zu P. hinunterlaufen, der Nachbar kommt, gefolgt von seinem Hund (oder umgekehrt), der Nachbar, der immer einen Spruch parat hat, B. kommt in den Hof gefahren, lädt Getränke aus, H. kommt, geht zu den Hühnern (die Hühner!), W. kommt auch noch und irgendeiner läuft den Mühlbuckel hinunter, grüßend; P. sitzt auf der Bank, oder in der Waschküche, in der schon lange nichts mehr gewaschen wurde, überhaupt ist sie nicht zum Waschen da, dafür riecht es nach Schinken, niemand geht hungrig oder durstig aus der Waschküche heraus, noch nicht einmal der Bürgermeister, so ist das Zuhause und wie die Leute reden.

Unverkennbar sind auch die Hügel und die Bäume auf den Hügeln, Obstbäume, Nussbäume, ein Falke, ein Bussard, Grün, dieses Grün, und Gelb, dieses Gelb und wie das riecht.

Aber dann laufen wir die Straße entlang, m findet jede Pusteblume, ich finde, es ist ziemlich laut, fuhren hier schon immer so viele Autos, und so schnell, und wo sind eigentlich die Menschen, keine alten Damen mit ihren Hunden unterwegs, auch nicht die Frau mit dem Lastenrad, und schon gar nicht das Ehepaar, immer zusammen, nie allein, immer eingehakt, er sieht aus wie Christopher Walken, ist es aber nicht; m und ich laufen zum örtlichen Einkaufsmarkt, einkaufen war auch schon mal schöner, warum haben sie die Lieblingsmilch, aber nicht die Lieblingsbutter, wieso sind die Pilze cellophaniert und wo ist eigentlich die Hefe; aber das wäre alles nicht so schlimm, doch dann, an der Kasse, da ist keine Frau S., die m namentlich begrüßt, sich freut und Quatsch mit ihr macht, da ist eine Frau, deren Namen ich nicht weiß, sie weiß unseren auch nicht, es könnte ihr auch nicht egaler sein, wie irgendjemand heißt, das Weh meldet sich, es meldet sich so lautstark wie die Autos, die an uns vorüber brausen, kaum, dass wir wieder auf die Straße hinaus treten; jetzt schnell weg, nur weg, die Straße hinter uns lassen und ab ins freie Feld, so war das eigentlich nicht geplant, zu matschig, zu anstrengend, aber das ist jetzt egal, nur weg, und da steht der L., Grüß dich, sagt er und es wird schon besser, das Weh, dann lassen wir auch den L. hinter uns, vor uns das Grün, ist das so grün und der Wind und die Felder und wie das riecht, und der Wald, es gibt sogar Waldmeister, und Sumpfdotterblumen, und die Bäume und die Hügel und der Wind.

Als wir wieder zu Hause sind, haben der Wind und die Hügel und das Grün das Weh davongetragen, das meiste davon, unverkennbar.

Allgemein

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