Der Wust.

In meinem Kopf. Analog zu der Matheaufgabe (Mathe, Sie erinnern sich?) mit den Haaren, da musste man auch erst einmal die Hälfte der Informationen aussortieren, unnützer Ballast; oder wie die Horden an Bienen, die letztes Jahr die Lindenblüten auf dem Friedhof umschwärmten, apropos Friedhof, G. lächelt nicht mehr. Ich stehe an G.’s Grab, denke mir, das darf nicht sein, nur dieser eine, vor sich hinwelkende Blumenkranz, wie kann das sein, an allen anderen Gräbern überbordende Bepflanzung und hier, ich werde Blumen kaufen, nehme ich mir vor, dabei habe ich G. doch gar nicht gekannt, nur ihr Lächeln und da war sie vielleicht schon gar nicht mehr sie selbst oder gerade doch.
Frau R. ruft an, wegen K., ob wir schon wissen. Nur vom Hörensagen, antworte ich, aber das antworte ich nicht wirklich, das denke ich nur, jetzt, beim Aufschreiben, deswegen. Jedenfalls, es stimmt, das Gehörte, K. ist nicht mehr da, also nicht mehr in ihrer Wohnung und einerseits macht das alles leichter, endlich nicht mehr den ganzen Tag danach zu horchen, ob wenigstens mal die Klospülung zu hören ist, oder ob das Fenster vielleicht auf ist; vor zwei Tagen war es das, lange, sehr lange, zu lange vielleicht; vor dem offenen Fenster fragt mich Frau J., Sagen Sie, wohnt die Dame noch da?, ich weise dezent auf das offene Fenster hin, Frau J. aber macht sich nichts aus offenen Fenstern, das sei doch krank, fährt sie fort, immer den Rollladen unten, ob die Dame denn wenigstens einen Fernseher hätte.
Einen Fernseher.
(Nein, hat sie nicht.)
Jetzt ist K. weg und eine Sorge weniger oder auch nicht, aber dann ist das Haus plötzlich ganz leise und still; verlassen, obwohl, das war es vorher auch schon, ich wünsche ihr alles Gute, ja, möge es gut werden; viel Hoffnung habe ich allerdings nicht (mehr), und fair ist das alles auch nicht (aber was ist schon fair). Menschen, die über dem Wäscheaufhängen einen Lachanfall bekommen, der den ganzen Tag andauert, die sollten verdammt noch mal ihr Leben auf die Reihe kriegen; im Gegensatz dazu könnten doch ein paar von den anderen –
Dabei kriege ich mein Leben ja auch nicht auf die Reihe, mehr als K., das schon, aber ich fange schon wieder an, mir Bücher auszuleihen, solche, die mir angeblich dabei helfen, herauszufinden, was noch aus mir werden soll, wer weiß das schon, ich nicht, die Bücher bisher auch nicht, apropos Bücher, heute war Bücherkistentag, und in einer, das heißt, genaugenommen war es eine Spielekiste, fanden sich Karten der Kraft, die hätte ich nicht mitnehmen sollen, muss man nur umziehen, aber ich nahm sie eben doch mit und dann ziehe ich eine, Was soll nur aus mir werden, frage ich, und es ist der Schmetterling, zur Hölle, ausgerechnet, wer will schon einen Schmetterling, das ist viel zu sehr Frühling, eine Krähe, das wäre doch etwas gewesen; ich lese natürlich trotzdem die Beschreibung, wenig überraschend erzählt sie mir was von Transformation, ja klar, echt jetzt mal, Calvin fällt mir ein, es ist gerade Transmogrifier-Zeit, vielleicht wäre das eine Option, genug Kartons hätten wir ja, ich passe nur in keinen davon hinein, geht also doch nicht, m würde hineinpassen, aber m soll bitteschön bleiben, was und wer sie ist. m müsste man außerdem die Fingernägel schneiden, heute Morgen habe ich das versucht, nun ja, Erklären und Überzeugen, da kann man sich den Mund fusselig quatschen, Ablenkung, das geht schon eher, dummerweise ist die beste Ablenkung eine, nach der man mit Händen greifen kann, mit beiden, Sie bemerken das Problem. Später dann will m Zähneputzen, freiwillig, einfach so und wie sie da an ihrer Zahnbürste herumlutscht und ich mich frage, ob das wohl das Wahre ist, an Zahnbürsten herumzulutschen, da merke ich plötzlich, dass m gerade sehr abgelenkt ist, einhändig noch dazu und ich schaffe es, drei Fingernägel zu schneiden.
Der Schmetterling klärt den Denkprozeß, sagt das Buch zu den Karten der Kraft, nun ja, bisher ist davon noch nicht allzu viel zu merken.

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