{"id":639,"date":"2014-05-01T13:53:39","date_gmt":"2014-05-01T11:53:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/woerterwege\/?p=639"},"modified":"2014-05-01T13:53:39","modified_gmt":"2014-05-01T11:53:39","slug":"verzaubert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/woerterwege.wababbel.de\/?p=639","title":{"rendered":"Verzaubert."},"content":{"rendered":"<p>Zuerst wird es einfach nur stiller. Wald- und Bergstille. Sogar der Wind schl\u00e4ft. Droben h\u00e4ngen die Wolken graudunkel \u00fcber den Gipfeln, drunten verstummt die andere, die laute Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich sitze auf der Bank am Siebenbr\u00fcnnlein, habe die Geschichte vom K\u00f6nig, der Hexe und den verzauberten K\u00f6nigss\u00f6hnen gelesen und denke dar\u00fcber nach, was ich wohl tun m\u00fcsste, um die immer noch verzauberten K\u00f6nigss\u00f6hne zu erl\u00f6sen, da sieht mich pl\u00f6tzlich ein Rehbock an, ein echter.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.childrentooth.de\/maerchen\/bruederlein.htm\" target=\"_blank\">\u201eWer aus mir trinkt, wird ein Reh; wer aus mir trinkt, wird ein Reh.&#8220;<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich f\u00fclle trotzdem meine Wasserflasche am Brunnen. Der Rehbock isst Buchenbl\u00e4tter und geht seiner Wege, ich esse Gummib\u00e4ren und gehe ebenfalls meiner Wege.<br \/>\nKomme an einen See und er liegt so still da, wie nur ein See daliegen kann. Die Berge stehen stumm um ihn herum, die B\u00e4ume spiegeln sich auf seiner Oberfl\u00e4che, ich werfe einen Stein, noch einen, es ploppt, es ringt, kein K\u00f6nigssohn erscheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die n\u00e4chste Geschichte am Wegesrand erz\u00e4hlt von einem Riesen, der sich in eine Nixe verliebt. Es geht nat\u00fcrlich nicht gut aus, gro\u00dfe Liebe, doch dann: <em>\u201eAber Nixengl\u00fcck w\u00e4hrt nur einen Sommer lang.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mir ist ein wenig melancholisch zumute, nicht lange, der Weg verwandelt sich in einen Steig <em>(Trittsicherheit! Schwindelfreiheit! Nur f\u00fcr Ge\u00fcbte!)<\/em> und ich erinnere mich ans <em>Angst haben<\/em> und dass es mit dem Wandern so ist wie mit dem Skifahren: es macht dann am meisten Spa\u00df, wenn ich auf dem Grat entlang balanciere, dem Angst-haben-Grat. Ich balanciere also und muss mich konzentrieren, nichts sonst hat mehr Platz in meinem Kopf und das ist gut so.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Schlie\u00dflich stehe ich oben auf dem Gipfel, na ja, nicht ganz, auf dem Pass, der Scharte, aber h\u00f6her werde ich heute nicht mehr kommen. Ich trinke vom Siebenbr\u00fcnnleinwasser (nichts passiert), esse noch mehr Gummib\u00e4ren, k\u00f6nnte Stunden auf dieser Bank sitzen, aber dann mache ich mich doch wieder an den Abstieg.<br \/>\nIch mag keine Abstiege, meine Knie fangen an zu schlottern, besonders das rechte, es hat sich von der letzten \u00dcberanstrengung noch nicht wieder erholt.<br \/>\nMit jedem Schritt wird es lauter. In mir: Gedanken, Gedanken, Gedanken &#8211; und um mich herum: Autos, Lastwagen, Boote, Menschen, vor allem die.<br \/>\nJemand fragt, ob ich mitfahren will, ich sage Nein und laufe und laufe und laufe, der Weg hat kein Ende, dann aber doch und schlie\u00dflich sitze ich erneut an einem See, die F\u00fc\u00dfe im Wasser; im Wasser auch eine Forelle (vermutlich), sie steht da und l\u00e4sst sich nicht aus der Ruhe bringen, von mir jedenfalls nicht, die Sonne findet eine L\u00fccke zwischen den Wolken und alles ist gut.<br \/>\nIrgendwo &#8211; in mir und um mich herum &#8211; verbirgt sich der traurige Riese und der K\u00f6nig, der um seine verwunschenen S\u00f6hne heult und klagt, aber alles ist gut. F\u00fcr den Moment.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuerst wird es einfach nur stiller. Wald- und Bergstille. Sogar der Wind schl\u00e4ft. Droben h\u00e4ngen die Wolken graudunkel \u00fcber den Gipfeln, drunten verstummt die andere, die laute Welt. 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