{"id":4714,"date":"2023-04-06T22:49:15","date_gmt":"2023-04-06T22:49:15","guid":{"rendered":"https:\/\/woerterwege.wababbel.de\/?p=4714"},"modified":"2023-04-06T22:49:15","modified_gmt":"2023-04-06T22:49:15","slug":"was-ich-will","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/woerterwege.wababbel.de\/?p=4714","title":{"rendered":"Was ich will"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich habe ein Buch gelesen: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.dtv.de\/buch\/nachts-ist-man-am-besten-wach-21855\" target=\"_blank\"><em>Nachts ist man am besten wach<\/em>, von Kristina Sanders<\/a>. Und nat\u00fcrlich ist das einer dieser Wohlf\u00fchlromane, niemals w\u00e4re die Wirklichkeit so pudrig rosa, das f\u00e4ngt schon damit an, dass f\u00fcnf Menschen in einem Haus leben, ohne sich jemals zu streiten. Aber vielleicht stimmt das auch gar nicht, vielleicht ist die Wirklichkeit viel besser als man ihr nachsagt. Umgekehrt stellt es auch keiner in Frage. Diese Geschichten vom &#8222;echten&#8220; Leben, die man erz\u00e4hlt bekommt oder selbst erz\u00e4hlt und hinterher sagt man: In einer Geschichte, einem Buch, w\u00fcrde einem das niemand glauben. Total unrealistisch, w\u00fcrden alle sagen. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber vielleicht ist das Leben ja so. Total unrealistisch. <\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls mochte ich dieses Buch sehr. Ich habe schon Unmengen Wohlf\u00fchlromane gelesen, \u00fcberhaupt, was ist das f\u00fcr eine seltsame Kategorie, was f\u00fcr ein merkw\u00fcrdiges Wort. Wohlf\u00fchlroman. Aber mir f\u00e4llt gerade kein besseres ein. Ich habe schon sehr viele davon gelesen, die meisten sind doof. Wenn sie nicht unfassbar doof sind, lese ich sie oft trotzdem zu Ende. Und hinterher f\u00fchle ich mich schlecht. <\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Buch, diese Geschichte hingegen ist ungemein wohltuend. Obwohl sie doch gar nicht so viel anders ist als die anderen Geschichten. Dann aber doch. Ich habe keine Lust, dar\u00fcber zu schreiben, warum das so ist. Ich wei\u00df noch nicht mal, warum ich den Gedanken habe, ich m\u00fcsste das tun. Ich kann doch hier tun und schreiben, was und wor\u00fcber ich will. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich mochte das Buch vor allem deshalb, weil ich mir w\u00fcnsche, dass ich diese versteckte Frau in mir drin auch endlich entdecke. Ihr Raum gebe. Da muss doch jemand sein. Da ist jemand. Ich wei\u00df es. Ich wei\u00df nicht, wer das ist, wei\u00df noch nicht, wer ich sein kann, aber ich will es herausfinden. Ich wei\u00df doch mittlerweile, wie das geht. Das Buch wei\u00df es auch (zum Gl\u00fcck nur zwischen den Zeilen). Hinsp\u00fcren. Hinh\u00f6ren. Ehrlich sein. Nicht mehr das tun, von dem ich denke, dass es irgendwer von mir erwartet. Herausfinden, was ich von mir erwarte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Sch\u00f6ne ist, ich merke in letzter Zeit, dass sich tats\u00e4chlich etwas \u00e4ndert, wenn es auch &#8222;nur&#8220; meine Wahrnehmung ist. Immer \u00f6fter stehe ich neben mir und denke: Was zur H\u00f6lle tue ich da gerade?<\/p>\n\n\n\n<p>(Herzlichen Dank daf\u00fcr an M.) <\/p>\n\n\n\n<p>Oder nein, meistens denke ich es erst hinterher. Was war das jetzt wieder? Warum verhalte ich mich so? <\/p>\n\n\n\n<p>Netterweise ist dieser Gedanke neuerdings mit einem staunend-neugierigen Gef\u00fchl von &#8222;Ach guck&#8220; verbunden und nicht mehr mit &#8222;Boah, du wei\u00df es doch eigentlich besser, warum bekommst du es auch beim zweihundertsten Versuch noch nicht auf die Reihe?&#8220; <\/p>\n\n\n\n<p>Weil ich noch nicht kann. Weil es so m\u00fchsam ist. Weil es viel einfacher ist, in siebentausend Wohlf\u00fchlromanen zu verschwinden, anstatt diese Leere auszuhalten, die sich auftut, wenn ich mich frage, was ich will. Was ich gerade brauche. Was mir gerade gut tun k\u00f6nnte. Und dann kommt da einfach nix. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber das stimmt nicht. Ich glaube das jetzt einfach nicht mehr. Ich wei\u00df nicht, was ich will &#8211; vielleicht ist das einfach nur eine Geschichte, die ich mir schon viel zu lange erz\u00e4hlt habe. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe ein Buch gelesen: Nachts ist man am besten wach, von Kristina Sanders. Und nat\u00fcrlich ist das einer dieser Wohlf\u00fchlromane, niemals w\u00e4re die Wirklichkeit so pudrig rosa, das f\u00e4ngt schon damit an, dass f\u00fcnf Menschen in einem Haus leben, ohne sich jemals zu streiten. 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