{"id":4428,"date":"2018-12-07T20:44:51","date_gmt":"2018-12-07T19:44:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/woerterwege\/?p=4428"},"modified":"2018-12-07T20:44:51","modified_gmt":"2018-12-07T19:44:51","slug":"spuren-von-schnee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/woerterwege.wababbel.de\/?p=4428","title":{"rendered":"Spuren von Schnee"},"content":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich <a href=\"http:\/\/www.unionsverlag.com\/info\/title.asp?title_id=7520\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\"><em>Schnee<\/em> von Maxence Fermine<\/a> gelesen. Also na ja, angelesen. Dem Buch vorangestellt ist ein Zitat von Arthur Rimbaud: <em>An nichts denken als an Wei\u00df<\/em>. Vielleicht habe ich das Buch \u00fcberhaupt nur deshalb angefangen.<br \/>\nJedenfalls, als ich es dann nicht mehr las, das Buch, wollte ich herausfinden, was es mit diesem Zitat auf sich hat. Das war ein bisschen schwierig, denn die Suche ergab nur den Verweis auf besagtes Buch von Fermine.<br \/>\nIrgendwann kam ich drauf, ins franz\u00f6sische Original (von Fermine) hineinzulesen, dort das franz\u00f6sische Originalzitat (<em>rien que du blanc \u00e0 songer<\/em>) zu finden und nach diesem zu suchen.<br \/>\nDas war aus allerlei Gr\u00fcnden gar nicht so einfach, vor allem, weil ich nat\u00fcrlich nur franz\u00f6sische Seiten gefunden habe, mein eigenes Franz\u00f6sisch aber nicht allzu viel hergibt.<br \/>\nIrgendwann fand ich dann aber doch heraus, dass Rimbaud im November 1878 zu Fu\u00df die Alpen \u00fcberquert hat. Mit ziemlich viel Schnee drumherum. Wovon er in einem Brief nach Hause berichtete und aus ebendiesem Brief ist dieses Zitat.<br \/>\nIch hatte ja eigentlich die Hoffnung, das Zitat-Drumherum g\u00e4be noch mehr her, etwas derartiges, das ich mir ebenfalls sofort irgendwohin notieren will, so war das leider nicht, daf\u00fcr habe ich noch ein bisschen \u00fcber Rimbaud herumgelesen. Sehr viel mehr, als das er ein franz\u00f6sischer Dichter ist, wusste ich bis dahin n\u00e4mlich nicht \u00fcber ihn. <\/p>\n<p>Das schreibe ich, weil es so einen Spa\u00df machte, diese Spurensuche. Und alles nur wegen dieses Buchs, das ich nie zu Ende lesen werde.<br \/>\nEins der Dinge, die ich am Lesen mag. Man st\u00f6\u00dft v\u00f6llig unverhofft auf etwas und ist pl\u00f6tzlich schlauer als zuvor. Oder hat ein neues Lieblingslied. Wei\u00df, was man als n\u00e4chstes lesen k\u00f6nnte. Oder wie das Wetter auf den F\u00e4r\u00f6er-Inseln ist (das h\u00e4tte man sich eventuell denken k\u00f6nnen).<\/p>\n<p>Auch eins der Dinge, mit denen ich mich vor der Stapelverarbeitung dr\u00fccken kann. Denn die Stapelverarbeitung h\u00e4ngt. Eventuell werde ich aber schon sehr bald wieder mit ihr anfangen, ich muss mir n\u00e4mlich einen ausformulierten Lebenslauf ausdenken. Maximal 800 Zeichen. Von minimal steht da nichts. Eventuell bin ich also mit <em>Name, wohnt in \u2026, ist alt genug, schreibt<\/em> schon fertig? Warum eigentlich nicht, das sind ja schon mindestens 41 Zeichen.<br \/>\nDen Lebenslauf brauche ich, weil ich nach Bayern eingeladen wurde. Nach Bayern! Hach. Und alles nur wegen der Stapelverarbeitung. Also einer Variation davon. Die w\u00fcrde n\u00e4mlich f\u00fcr tendenziell preisw\u00fcrdig gehalten, daher muss ich die dort vorlesen und zwar genau die. Obwohl ich doch mittlerweile noch siebzehntausend Sachen daran \u00e4ndern w\u00fcrde. Darf ich aber nicht.<br \/>\nVierzehn andere m\u00fcssen auch etwas vorlesen, irgendeiner von uns gewinnt <a href=\"http:\/\/www.irseer-pegasus.de\/cms\/literaturpreis\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">den Preis<\/a>, dann fahre ich wieder nach Hause und werde drei Tage fort gewesen sein.<br \/>\nDamit kann ich schon Anfang Januar sechs Vors\u00e4tze abhaken: allein irgendwohin fahren, mit \u00dcbernachtung, mit anderen Schreibenden \u00fcber Texte reden, in Bayern sein, neue Orte entdecken, neue Dinge tun (und vor lauter Angst zw\u00f6lftausendmal aufs Klo rennen).<br \/>\nIch f\u00fcrchte, das werden alle Vors\u00e4tze sein, die ich n\u00e4chstes Jahr abhake. Aber wer wei\u00df. Au\u00dferdem habe ich ja gar keine Vors\u00e4tze, genausowenig wie To-Do-Listen.<\/p>\n<p>Und apropos aufs Klo rennen: Der Zahn, von dem der Zahnarzt sagte, Nun, der eine Wurzelkanal ist FachausdruckDenIchVergessenHabe, eventuell geht das gut, vielleicht aber auch nicht \u2013 dreimal d\u00fcrfen Sie raten. Von wegen bis n\u00e4chstes Jahr.<br \/>\nNa ja, vielleicht geschehen am Wochenende noch wunderliche Dinge und alles wird gut.<br \/>\nUnd vielleicht \u00f6ffne ich auch gleich die Stapelverarbeitung.<br \/>\nUnd vielleicht putzt irgendjemand das Bad.<br \/>\nOder die Heizungsfrau ruft an. <\/p>\n<p>Wahrscheinlicher ist, dass ich gleich Fotos auf buntes Papier klebe. <\/p>\n<p>Noch wahrscheinlicher ist, dass ich irgendetwas lesen werde. Weil ich zurzeit aber ausschlie\u00dflich auf leichte Unterhaltung Lust habe, diese allerdings am schwierigsten zu finden ist (zumindest wenn ich beim Lesen noch etwas anderes tun will, als die Augen zu verdrehen), habe ich beschlossen, die Frage \u201ewas lese ich als n\u00e4chstes\u201c zu umgehen, indem ich einfach die vorhandenen B\u00fccherstapel von oben nach unten abarbeite. Daher m\u00fcsste ich als n\u00e4chstes <a href=\"https:\/\/www.randomhouse.de\/Taschenbuch\/Von-Beruf-Schriftsteller\/Haruki-Murakami\/btb-Taschenbuch\/e534690.rhd\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\"><em>Von Beruf Schriftsteller<\/em> von Haruki Murakami<\/a> lesen. Das nur deshalb auf dem Stapel liegt, weil ich es mit einem anderen Murakami-Buch verwechselt habe (fragen Sie nicht). <\/p>\n<p>Aber wer wei\u00df, was sich darin nun wieder findet. Eventuell ist die n\u00e4chste Spurensuche nur zw\u00f6lf Seiten weit weg. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich Schnee von Maxence Fermine gelesen. Also na ja, angelesen. Dem Buch vorangestellt ist ein Zitat von Arthur Rimbaud: An nichts denken als an Wei\u00df. Vielleicht habe ich das Buch \u00fcberhaupt nur deshalb angefangen. 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