{"id":4411,"date":"2018-11-28T19:47:29","date_gmt":"2018-11-28T18:47:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/woerterwege\/?p=4411"},"modified":"2018-11-28T19:47:29","modified_gmt":"2018-11-28T18:47:29","slug":"one-in-five","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/woerterwege.wababbel.de\/?p=4411","title":{"rendered":"one in five"},"content":{"rendered":"<p>Heute heulend* durch den Wald gelaufen. Einen J\u00e4ger getroffen. Einen J\u00e4ger! Und ich gehe einfach an ihm vorbei. Statt die Gelegenheit zu ergreifen und ins Gespr\u00e4ch zu kommen (einen J\u00e4ger k\u00f6nnte ich in Sachen Stapelverarbeitung gut gebrachen). Der J\u00e4ger kam nat\u00fcrlich auch nicht mit mir ins Gespr\u00e4ch, die Leute kommen selten von selbst mit mir ins Gespr\u00e4ch, vermutlich vor allem dann nicht, wenn ich tendenziell verheult aussehe.<br \/>\nDen J\u00e4ger also vorbeilaufen lassen. <\/p>\n<p>Dabei begann der Tag gar nicht so schlecht. Also eigentlich schon, ich hatte n\u00e4mlich mal wieder einen Zahnarzttermin. Als ich dann aber beim Zahnarzt an der Anmeldung stand, schauten sie mich erst gro\u00df an und schickten mich dann wieder fort, ich war n\u00e4mlich eine Stunde zu fr\u00fch da.<\/p>\n<p>Diese <del>Gelegenheit<\/del> Stunde dazu genutzt, die schlimmsten Prokrastinationsbrocken anzugehen. Unter anderem die Heizungsfrau, Sie erinnern sich vielleicht. Dieses Gespr\u00e4ch habe ich nun schon ein paar Mal gef\u00fchrt:<br \/>\n<em>Um was geht es? Ah ja. Das muss ich noch mal absprechen. Wir melden uns dann bei Ihnen. <\/em><br \/>\nTja nun, da glaube ich jetzt nicht mehr so dran. Aber was soll man machen. <\/p>\n<p>Dann beim Garagenmann angerufen. Stellt sich raus, der Garagenmann war fr\u00fcher der Kellermann und als Kellermann schon einmal bei uns vor Ort. Das ist vor allem deshalb erw\u00e4hnenswert, weil uns fortw\u00e4hrend die Garagenm\u00e4nner abhanden kommen. Derart, dass ein Garagenmann zu uns kommt, Dinge erz\u00e4hlt und wenn wir ihm daraufhin noch eine E-Mail schreiben, weil wir siebentausend Fragen vergessen hatten zu stellen, bekommen wir die Antwort, dass der Garagenmann nicht mehr in diesem Betrieb arbeiten w\u00fcrde. So langsam keimte der Verdacht, auf unserer Garage l\u00e4ge ein Garagenm\u00e4nnerfluch. <\/p>\n<p>Der Garagenmann, der mal der Kellermann gewesen war, hatte jedenfalls gute Neuigkeiten. \u00dcber diese habe ich mich so lange gefreut, bis ich sp\u00e4ter mit dem Gartenmann gesprochen habe, der n\u00e4mlich zeigte sich h\u00f6chst entsetzt dar\u00fcber, dass wir bald eine Garage haben. Das sei nun wirklich ganz schlecht und er w\u00fcrde uns in jedem Fall davon abraten, um Himmels willen, niemals.<br \/>\nEndlich kommt mal einer und sagt uns, was wir alles <del>falsch machen<\/del> besser machen k\u00f6nnten, aber dummerweise gerade dann, wenn es eigentlich schon zu sp\u00e4t ist. <\/p>\n<p>Momente, an denen ich mich in eine Mietwohnung zur\u00fcckw\u00fcnsche. <\/p>\n<p>Zwischen Garagenmann und Gartenmann war ich beim Zahnarzt. Das trug nicht eben zur Aufheiterung der Lage bei.<br \/>\n<em>Liebe Natalie.<br \/>\nIch vermisse Sie. Ich vermisse Sie ganz doll und nat\u00fcrlich haupts\u00e4chlich dann, wenn ich beim Zahnarzt bin. Ich f\u00fcrchte, ich habe Ihnen das nie pers\u00f6nlich gesagt und hier werden Sie wohl leider auch nicht mitlesen. Aber wenn, dann w\u00fcssten Sie, wer ich bin, doch, ganz sicher, Sie sind so eine, die auch nach zwanzig Jahren noch die Namen ihrer Patientinnen kennt oder zumindest wei\u00df, es mit einer Patientin zu tun zu haben. Eine, die freundlich \u201eFrau K., wie geht es Ihnen denn?\u201c fragt und dann auch tats\u00e4chlich an einer Antwort interessiert ist. Und sollte ich Sie jemals verheult im Wald treffen, w\u00fcssten Sie mit Sicherheit etwas Aufmunterndes zu sagen. Sie w\u00fcrden auch nicht um mich herum r\u00e4umen, s\u00e4\u00dfe ich im Behandlungsstuhl, zumindest nicht in der Form, dass ich mich wie ein st\u00f6rendes Objekt f\u00fchle. Sie w\u00fcrden nicht \u00fcberh\u00f6ren, dass ich Sie etwas frage oder falls doch, h\u00e4tte ich mit Sicherheit nicht den Eindruck, Sie h\u00e4tten es \u00fcberh\u00f6ren wollen. Und dann, wenn der Zahnarzt schon l\u00e4ngst wieder weg ist, w\u00fcrden Sie noch so etwas wie \u201eJetzt haben Sie es \u00fcberstanden\u201c sagen und dann w\u00fcrden wir zusammen lachen und Sie w\u00fcrden mir alles Gute w\u00fcnschen und ich Ihnen auch und alles w\u00e4re allein deshalb halb so schlimm, weil es Sie gibt.<br \/>\nLiebe Natalie, ich vermisse Sie und hoffe, es geht Ihnen gut. <\/em><\/p>\n<p>Im Wartezimmer traf (s)ich die Spezies: \u00c4ltere Herren aus der Gegend. Ich habe eine Schw\u00e4che f\u00fcr \u00e4ltere Herren aus der Gegend. Also f\u00fcr diese spezielle Sorte, die auch in der Zahnarztpraxis so auftaucht, dass man meinen k\u00f6nnte, sie h\u00e4tten ihren Traktor eben erst direkt vor der Praxist\u00fcr abgestellt (und w\u00fcrden den Zahnarzt notfalls mit lebenden H\u00fchnern bezahlen). \u00c4ltere Herren aus der Gegend fahren zwingend Traktor (zu dem sie nat\u00fcrlich Bulldog sagen, auch wenn es ein <em>[beliebige Traktormarke hier einf\u00fcgen]<\/em> ist). \u00c4ltere Herren die gern auf B\u00e4nken vor ihrer Haust\u00fcr herumsitzen oder sich anderweitig in ihrem Hof besch\u00e4ftigen, dabei aber alles genau im Blick haben, vor allem, wer da vorbeikommt und f\u00fcr jeden haben sie einen passenden Spruch parat. Den sie nat\u00fcrlich in die Welt hinausrufen und nat\u00fcrlich reden sie auch kein Hochdeutsch und vielleicht liegt es haupts\u00e4chlich an diesem Dialekt, dass ich mich, sobald ich auf einen dieser \u00e4lteren Herren treffe, sofort wie Zuhause f\u00fchle. Was ich dann ja meistens auch bin. <\/p>\n<p>Vorhin dar\u00fcber nachgedacht, warum dieses mich-Zuhause-f\u00fchlen nur f\u00fcr \u00e4ltere Herren, nicht aber f\u00fcr \u00e4ltere Damen gilt und dabei festgestellt, dass die \u00e4lteren Damen einfach nicht sichtbar sind. Weil sie meist nicht auf einem Traktor herumfahren, keine Zeit dazu haben, auf einer Bank herumzusitzen und sich meistens auch eher drinnen als drau\u00dfen besch\u00e4ftigen und daher zwar vielleicht auch passende Spr\u00fcche parat h\u00e4tten, aber viel seltener die Gelegenheit, diese auch anzubringen. <\/p>\n<p>Dann \u00fcber den von der <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Kaltmamsell<\/a> <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/interactive\/2018\/11\/europe\/antisemitism-poll-2018-intl\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">verlinkten Artikel<\/a> nachgedacht, genauer \u00fcber das von ihr herausgenommene Zitat und wieder einmal v\u00f6llig ratlos vor der Frage gestanden, wie man die eine von f\u00fcnf aus diesem dem Zitat entnommenen Zitat sein kann:<\/p>\n<blockquote><p>Nearly one in five said anti-Semitism in their countries was a response to the everyday behavior of Jewish people. <\/p><\/blockquote>\n<p>Dann gedacht, dass ich weiter nicht Kluges dazu sagen kann, mich als n\u00e4chstes aber daran erinnert, dass ich ja wenigstens \u00f6fter \u201eich bin anderer Meinung\u201c sagen wollte. Also in diesem Fall: Allein von der Religionszugeh\u00f6rigkeit darauf zu schlie\u00dfen, mit wem man es zu tun hat und dann noch so etwas wie &#8222;der hat es nicht anders verdient&#8220; zu schlussfolgern &#8211; da f\u00e4llt mir leider nichts dazu ein, abgesehen davon, dass das ja wohl v\u00f6llig bekloppt ist.<br \/>\nGleich weiter zu <a href=\"http:\/\/readonmydear.com\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Fr\u00e4ulen Read On<\/a> gedacht und <a href=\"https:\/\/readonmydear.com\/2018\/11\/26\/sonntag-23\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">ihrem Telefonat mit G<\/a>. Auch dazu f\u00e4llt mir leider nichts ein. Au\u00dfer: Es tut mir so leid, dass so etwas passiert. Was geht es mich an, alles geht es dich an. Und mich auch. <\/p>\n<p>*<\/p>\n<p>Fast vergessen, die sch\u00f6nen Dinge des Tages zu erw\u00e4hnen. Abgesehen von den \u00fcblichen (alle (soweit ich wei\u00df) halbwegs gesund, Wald, Weihnachtspl\u00e4tzchen, warmes Haus, Ole springt an und sogar auf Anhieb, \u2026) bekam ich heute n\u00e4mlich B\u00fccherpost. <a href=\"https:\/\/zuckerstudio-waldbrunn.de\/das-albgeraeusch\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\"><em>Das Albger\u00e4usch<\/em> von Sven Koether<\/a>. Kennen Sie nat\u00fcrlich, sofern Sie auch <a href=\"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">in der n\u00e4heren Umgebung<\/a> mitlesen.<br \/>\nFalls Sie es nicht kennen: Sollten Sie aber.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><small><br \/>\n* aus keinen benennbaren Gr\u00fcnden<br \/>\n<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute heulend* durch den Wald gelaufen. Einen J\u00e4ger getroffen. Einen J\u00e4ger! Und ich gehe einfach an ihm vorbei. 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