{"id":3630,"date":"2017-12-12T23:46:37","date_gmt":"2017-12-12T22:46:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/woerterwege\/?p=3630"},"modified":"2017-12-12T23:46:37","modified_gmt":"2017-12-12T22:46:37","slug":"wie-es-mir-gefaellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/woerterwege.wababbel.de\/?p=3630","title":{"rendered":"Wie es mir gef\u00e4llt."},"content":{"rendered":"<p>Ich bin s\u00fcchtig nach diesen B\u00fcchern, die einem suggerieren, es w\u00e4re m\u00f6glich, man selbst zu sein, diejenige, die man gerne sein will, insgeheim. Man ist es nicht, schafft es nicht, aber dann passiert etwas, im Normalfall trifft man jemanden und dann schafft man es immer noch nicht, nicht auf Dauer jedenfalls, aber man merkt, er w\u00e4re m\u00f6glich. Dann folgt der Teil, in dem man mehr oder weniger absurde Hindernisse aus dem Weg r\u00e4umen muss, irgendwann gibt man auf, wird doch wieder zum gewohnten Selbst, diesem Selbst, das man eigentlich lieber nicht w\u00e4re, jetzt gen\u00fcgt es erst recht nicht mehr und dann passiert doch wieder etwas und Hurra!, das Leben kann beginnen, endlich.<\/p>\n<p>Irgendwann habe ich mal einen Radiobeitrag \u00fcber Sehnsucht geh\u00f6rt. Ich wei\u00df nicht mehr, um was es genau ging, aber ich wei\u00df noch, wie mich dieses Wort getroffen hat. Sehnsucht. <\/p>\n<p>Die Leute in den B\u00fcchern wissen ja insgeheim immer, was sie zu tun haben. Das hei\u00dft, zuerst wissen sie es nicht, zuerst wei\u00df es nur die Leserin und das eine oder andere Mal muss sie mit den Augen rollen, weil sich die B\u00fccherleute so bekloppt anstellen. Aber so ist das im echten Leben ja auch, jemand erz\u00e4hlt von seinem Problem, man fragt sich, wo das Problem eigentlich ist, der andere m\u00fcsste doch &#8222;einfach nur&#8220; xyz tun, aber wenn man dann selbst mit seinem Problem dasteht und es kommt einer und sagt, man m\u00fcsse doch einfach nur xyz tun, dann will man entweder die Augen verdrehen oder ihm kr\u00e4ftig ans Bein treten, in keinem Fall aber will und wird man xyz tun.<\/p>\n<p>Irgendwann habe ich ein Buch gelesen, es hie\u00df <em>Ich warte darauf, dass etwas geschieht<\/em>, einen ganzen Roman lang geschah nichts, gar nichts, zumindest erschien es mir damals so, ich wei\u00df noch nicht einmal mehr, um was es eigentlich ging, aber der Titel, den vergesse ich nicht, immer wieder f\u00e4llt er mir ein und jedes Mal f\u00fcrchte ich, es w\u00e4re ein passender Titel f\u00fcr den Roman meines Lebens.<\/p>\n<p>G. ist gestorben, aber statt an G. denke ich wieder nur an mich, wann habe ich G. das letzte Mal gesehen, ich h\u00e4tte sie besuchen sollen, ich sollte so vieles, sollte mich an G. erinnern, erinnere mich auch, daran, wie sie einem die T\u00fcr ge\u00f6ffnet hat, mit irgendeinem Stofffetzen, den sie als Stirnband um die st\u00f6rrischen Haare gewickelt hatte, daran, dass ich an Bad-Hair-Days immer f\u00fcrchte, mehr von ihr in mir zu haben, als ich mir w\u00fcnschen w\u00fcrde, daran, wie sie die Pl\u00e4tzchendose hervorgeholt hat, daran, dass ich den K\u00e4sekuchen nach ihrem Rezept mache, daran, dass ich eine Kuchenform von ihr bekommen habe, die nutze ich immer noch, aber was hat jetzt das eine, was hat G. mit dem anderen zu tun, nichts, alles. <\/p>\n<p>Dem Buch, das ich gerade gelesen habe, eins von denen, die einem suggerieren, man k\u00f6nnte diejenige sein, die man will, diesem Buch ist ein Zitat aus <em>Wie es euch gef\u00e4llt<\/em> vorangestellt, Shakespeare, und die letzte Zeile, <em>Sein Leben lang spielt einer manche Rollen<\/em>, da dachte ich, nun ja, wenigstens daf\u00fcr hat sich das Buch schon gelohnt, aber nicht nur daf\u00fcr, es ist m\u00f6glich, sagt das Buch und wie das so ist mit den S\u00fcchten, so richtig gut tun sie einem nicht, es ist m\u00f6glich, denke ich abermals, diejenige zu sein, die ich will, schei\u00df doch auf alle Rollen, aber dann wei\u00df ich wieder nicht, wie das gehen soll und wieder f\u00e4llt mir der Titel ein, <em>Ich warte darauf, dass etwas geschieht<\/em>, nichts geschieht, man muss schon etwas tun, wenn ich doch nur w\u00fcsste, was. <\/p>\n<p>Alles ist m\u00f6glich, denke ich trotzdem jedes Mal aufs Neue, aber dann bleibt doch wieder alles gleich und es ist ja auch gut wie es ist, irgendwie, nur eben auch nicht. Ich versuche, dar\u00fcber zu reden, so richtig, in echt, Wir sollten mal Squash spielen, bekomme ich als Antwort, Nein, denke ich, das sollten wir nicht, aber vielleicht liegt es auch daran, an meinem Nein, vielleicht sollten wir tats\u00e4chlich Squash spielen. Vielleicht aber auch nicht, vielleicht ist es mir nur nicht m\u00f6glich, dar\u00fcber zu reden, mich verst\u00e4ndlich zu machen, wie soll das auch gehen, ich verstehe mich doch selbst nicht und nie ist genug Zeit, nie finde ich die richtigen Worte, immer greife ich zu den n\u00e4chstbesten und dann rede ich dar\u00fcber, dass neuerdings andauernd meine Socken kaputt gehen, ja wirklich, das tue ich und damit kann man nun wirklich keine <del datetime=\"2017-12-12T22:28:25+00:00\">L\u00f6sungen<\/del> Wunder erwarten. <\/p>\n<p>Das Buch ist zu Ende gelesen, sein Zauber noch da, schnell wird er sich verfl\u00fcchtigen und dann werde ich wieder weiter funktionieren, ganz normal, das ist so sch\u00f6n einfach, vielleicht unternehme ich ein paar halbgare Versuche, dem alles ist m\u00f6glich hinterherzusp\u00fcren, aber es wird nicht funktionieren, nie funktioniert es und ich wei\u00df doch auch nicht, was fehlt, was sollte auch fehlen, alles ist gut, aber das ist es nicht, immer ist da dieses Dings im Hintergrund, dieses Dings, f\u00fcr das ich keine Worte finde, das Dings, das ich manchmal vergesse, so lange, bis mich das n\u00e4chste Buch, das n\u00e4chste Wort trifft. <\/p>\n<p>Und jetzt wei\u00df ich auch nicht. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin s\u00fcchtig nach diesen B\u00fcchern, die einem suggerieren, es w\u00e4re m\u00f6glich, man selbst zu sein, diejenige, die man gerne sein will, insgeheim. 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