{"id":3535,"date":"2017-10-18T21:21:56","date_gmt":"2017-10-18T20:21:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/woerterwege\/?p=3535"},"modified":"2017-10-18T21:21:56","modified_gmt":"2017-10-18T20:21:56","slug":"wovon-ich-schreibe-oder-auch-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/woerterwege.wababbel.de\/?p=3535","title":{"rendered":"Wovon ich schreibe oder auch nicht."},"content":{"rendered":"<p>\u00dcbers Schreiben schreiben, das ist doch bekloppt. Begr\u00fcnden kann ich das nicht, aber was kann ich schon begr\u00fcnden. Ganz davon abgesehen, sollte ich nicht lieber schreiben, als \u00fcbers Schreiben zu schreiben? <\/p>\n<p>Gerade las ich <a href=\"https:\/\/www.dtv.de\/buch\/lily-king-euphoria-14580\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\"><em>Euphoria<\/em><\/a>*, darin hie\u00df es, Sprache erschwere das Verstehen, ohne Sprache verst\u00fcnde man mehr und besser (oder so \u00e4hnlich).<br \/>\nAber zum Verstehen ohne Sprache sollte man zumindest ein Gegen\u00fcber haben, wie soll das sonst funktionieren. Wenn ich hier sitze und \u00fcbers Schreiben nachdenke, ganz ohne Gegen\u00fcber, wer soll da etwas verstehen; selbst mit Gegen\u00fcber kann das doch nicht funktionieren, wenn ich nur denke und nichts weiter? Vor allem, wo ich die Gedanken noch nicht einmal selbst zu fassen bekomme, wo ich noch nicht einmal selbst verstehe?<br \/>\nDas hei\u00dft, Moment. Doch, das geht, das gibt es. Da gibt es jemanden, die in vermeintlich hingeworfenen Nebens\u00e4tzen etwas schreibt und ich frage mich, woher zum Einhorn, wei\u00df sie das und wie kann sie in einem Nebensatz etwas \u00fcber mich sagen, was f\u00fcr zehn andere, die mich viel \u00f6fter sehen, niemals sichtbar werden wird?<\/p>\n<p>Aber ich schweife ab. Ich wollte doch \u00fcbers Schreiben schreiben. Das wollte ich schon, seit ich von Haruki Murakami <a href=\"http:\/\/www.dumont-buchverlag.de\/buch\/murakami-wovon-ich-rede-9783832180645\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\"><em>Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede<\/em><\/a>, gelesen habe, in dem es gleich neben dem Laufen auch ums Schreiben geht. Dann hat mich Murakami allerdings zum Schreiben motiviert und ich habe geschrieben, statt \u00fcbers Schreiben zu schreiben. <\/p>\n<p>K\u00fcrzlich aber hat mich m die halbe Nacht wach gehalten. Es gab nichts zu tun, zumindest fand ich nicht heraus, was ich h\u00e4tte tun k\u00f6nnen, so hielt ich \u201eeinfach\u201c nur das Gebr\u00fcll aus und da ich dummerweise niemand bin, die in den Pausen zwischen dem Gebr\u00fcll einszweidrei wieder eingeschlafen ist, liege ich stattdessen weiter wach und denke, zumindest in diesem Fall, \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.wababbel.de\/fragmente\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Sam<\/a> nach, genaugenommen denke ich nicht wirklich nach, wer kann das schon, nachts um drei Uhr, ich nicht, ich denke also nicht, wei\u00df aber pl\u00f6tzlich etwas, n\u00e4mlich, dass es das war. Die Geschichte mit Sam, an diesem Punkt ist sie zu Ende, das hei\u00dft, die Geschichte geht zwar noch weiter, ich kann sie aber nicht weiter erz\u00e4hlen, denn Sam sagt, alles weitere ginge mich einen Schei\u00df an.<br \/>\nUnd dann liege ich da, mitten in der Nacht und bin ratloser als zuvor, wusste ich doch noch nie, was das mit Sam eigentlich soll und jetzt sagt er mir, hier sei Schluss, ich h\u00e4tte das Dazwischen, bis hierher und fertig. Und dann frage ich mich (zum wiederholten Mal), was f\u00fcr eine Geschichte das sein soll, es erschlie\u00dft sich mir immer noch nicht, ich wei\u00df auch nicht so recht, wie ich das herausfinden soll, gleichzeitig wei\u00df ich, dass ich es schon noch herausfinden werde, irgendwie, und dann frage ich mich, was das jetzt wieder mit mir zu tun hat, denn das Schreiben, das hat doch immer etwas mit einem selbst zu tun, zumindest in meinem Fall und gerade f\u00e4llt mir auf, dass ich, was mein Leben betrifft, dieses Wissen leider nicht habe (dass ich es schon noch herausfinden werde) und dann f\u00e4llt mir Murakami wieder ein, der schrieb, er m\u00fcsse schreiben, um sich \u00fcber etwas klar zu werden (oder so \u00e4hnlich) &#8211; vielleicht schreibe ich deshalb jetzt diesen Text; als n\u00e4chstes f\u00e4llt mir ein, dass ich irgendwo gelesen habe, man m\u00fcsse die richtigen Fragen stellen, aber das hilft mir auch nicht weiter (\u00fcberhaupt hilft nie etwas weiter, so scheint es), denn was sind schon die richtigen Fragen, ich habe sie noch nicht gefunden, nicht in Bezug auf Sam, nicht in Bezug auf mein Leben und dann sitze ich und sehe aus dem Fenster, sehe die Laterne, die neue, die nicht ganz so idyllisch ist wie die alte, insbesondere, da sie momentan ein Dixi-Klo bescheint, ich sehe also auf die Laterne und w\u00fcnsche mir, ich s\u00e4\u00dfe auf einer Dachterrasse, der T. erkl\u00e4rte mir zum wiederholten Mal Sternbilder, die ich l\u00e4ngst wieder vergessen habe, frieren w\u00fcrde ich und in eine Kerze schauen und Gespr\u00e4chen zuh\u00f6ren oder auch nicht, ich w\u00fcrde einen Whisky trinken und eine Zigarette rauchen und jemand anderes sein, aber gleichzeitig auch nicht und irgendwie schreibe ich jetzt doch nicht \u00fcbers Schreiben aber vielleicht doch. <\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><small>* H\u00e4tte mir jemand gesagt, ich w\u00fcrde einen Roman \u00fcber Ethnologen in Neuguinea lesen, der Anfang der 1930er Jahre spielt, ich h\u00e4tte laut und lange gelacht. Aber ich hatte <a href=\"http:\/\/www.chbeck.de\/king-vater-regens\/product\/16554249\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\"><em>Vater des Regens<\/em><\/a> gelesen, ich wollte mehr von Lily King lesen, es gab nur dieses eine weitere Buch, was will man da machen, es lesen und ein Gl\u00fcck. Ich behalte es n\u00e4mlich, das Buch und das, wo ich noch nicht mal ein B\u00fccherregal habe.<br \/>\n<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcbers Schreiben schreiben, das ist doch bekloppt. Begr\u00fcnden kann ich das nicht, aber was kann ich schon begr\u00fcnden. Ganz davon abgesehen, sollte ich nicht lieber schreiben, als \u00fcbers Schreiben zu schreiben? Gerade las ich Euphoria*, darin hie\u00df es, Sprache erschwere das Verstehen, ohne Sprache verst\u00fcnde man mehr und besser (oder so \u00e4hnlich). 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