{"id":3468,"date":"2017-07-21T13:40:44","date_gmt":"2017-07-21T12:40:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/woerterwege\/?p=3468"},"modified":"2017-07-21T13:40:44","modified_gmt":"2017-07-21T12:40:44","slug":"auf-die-ohren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/woerterwege.wababbel.de\/?p=3468","title":{"rendered":"Auf die Ohren."},"content":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich waren wir schwimmen. Schwimmen ist ein super Sache, bl\u00f6d nur, wenn man Wasser in die Ohren bekommt (was ja nicht ausbleibt) und auf einmal nichts mehr h\u00f6rt. Na ja, weniger h\u00f6rt als zuvor.<br \/>\nDas war nat\u00fcrlich abzusehen, hatte ich doch vorher schon weniger geh\u00f6rt und <del datetime=\"2017-07-21T12:31:06+00:00\">dachte<\/del> f\u00fcrchtete, mal wieder zum Arzt zu m\u00fcssen, Ohren aussp\u00fclen. <\/p>\n<p>Nun hatte mir der Badesee die Entscheidung abgenommen. <\/p>\n<p>Ging ich also zum Hausarzt, zum alten, jetzt wieder neuen. Der neue alte hatte das immer h\u00f6chstselbst erledigt, mit einer antik anmutenden Riesenspritze. Der aktuelle sagte, das mache <del datetime=\"2017-07-21T12:31:06+00:00\">er<\/del> man nicht mehr selbst, da m\u00fcsse ich zum HNO-Arzt. <\/p>\n<p>Bei dem man nat\u00fcrlich nicht einfach so vorbei gehen kann, da braucht man einen Termin. Den ich immerhin schon zwei Tage sp\u00e4ter bekam.<br \/>\nEinen Termin haben, hei\u00dft allerdings noch lange nicht, dass man auch zu eben diesem Termin drankommt. Wo k\u00e4me man da hin. Immerhin musste ich nur eine dreiviertel Stunde warten, bis ich aufgerufen wurde. <\/p>\n<p>In dieser dreiviertel Stunde funktionierten das g\u00e4nzlich und das fast verstopfte Ohr dann doch noch gut genug, um Wartezimmergespr\u00e4che mitanzuh\u00f6ren. Am liebsten w\u00e4re ich geflohen, eine andere M\u00f6glichkeit w\u00e4re gewesen, den Sprechenden die Zeitung \u00fcberzuhauen, auf die ich mich nun nicht mehr konzentrieren konnte, ganz sicher h\u00e4tte ich aber sagen sollen, dass ich hier nicht die schweigende Zustimmung vertrete, sondern im Gegenteil g\u00e4nzlich anderer Meinung bin.<br \/>\nEs ging, man kann es sich vielleicht denken, darum, wie schlecht es uns allen doch geht, besonders den Rentnern. Die Jungen, die arbeiten ja nichts mehr, \u00fcberhaupt arbeitet kaum einer mehr was, stattdessen bekommen alle Sozialhilfe und die da oben, die Politiker, furchtbar, die haben doch keine Ahnung, die l\u00fcgen uns nur an. Und die Grenzen, die h\u00e4tte man nat\u00fcrlich zumachen sollen, wer soll denn das alles bezahlen und auf die Stra\u00dfe kann man auch nicht mehr, da sind \u00fcberall Ausl\u00e4nder, das ist nicht mehr sicher und dann schalten sie auch noch die Video\u00fcberwachung ab. Aber man darf ja nichts sagen, sonst w\u00fcrde man gleich als Nazi, Antisemit, Rassist, was auch immer beschimpft. Nazi! Und das m\u00fcssen wir uns bieten lassen, bin ich doch nach dem Krieg geboren. Sagte sie. Und ihren Vater, den h\u00e4tte sie gefragt, der war bei der Wehrmacht, die h\u00e4tten nat\u00fcrlich nichts, \u00fcberhaupt nichts von dem gewusst, was in den Konzentrationslagern und \u00fcberhaupt \u00fcberall passiert ist. <\/p>\n<p>Ja klar. <\/p>\n<p>Es geht uns allen wirklich furchtbar schlecht. Dir vor allem, die du ein Haus hast (in dem du allerdings nicht schlafen kannst, weil die M\u00e4hdrescher bist kurz nach Mitternacht an deinem Schlafzimmerfenster vorbeifahren, schlimm), einen Mann hast du auch noch, der hat sogar noch Arbeit, beim Schwiegersohn, Familie also auch, wobei, das mit der Arbeit des Mannes ist vielleicht sogar eher schlecht, ist er doch eigentlich schon Rentner (aber was w\u00fcrde er mit all der freien Zeit nur machen?), du gehst andauernd zum Arzt, das ist nat\u00fcrlich nicht gut, aber hey, es gibt \u00c4rzte und du kannst hingehen, einfach so, Krankenkasse sei Dank, nat\u00fcrlich hast du daf\u00fcr bezahlt, ich wei\u00df. Am Essen mangelt es dir augenscheinlich auch nicht, vermutlich kommt (warmes) (Trink)Wasser aus den Leitungen, wann immer du willst und ach, verdammt, am meisten \u00e4rgere ich mich ja doch \u00fcber mich selbst, weil ich nichts dazu gesagt habe. <\/p>\n<p>Meine dreiviertel Stunde war dann n\u00e4mlich um, ich durfte ins Behandlungszimmer, eine nicht ganz so freundliche, eher nun ja, der halbe Tag ist schon vorbei, aber die andere H\u00e4lfte steht leider noch bevor Arzthelferin schaute mir ins Ohr, ging dann wieder, ich schaute mir Plakate an, Falten entfernen, stand da und ich staunte dar\u00fcber, wo man \u00fcberall Falten haben kann, die man lieber nicht h\u00e4tte, nervte mich noch ein wenig dar\u00fcber, dass ich wom\u00f6glich wegen all den Faltenentfernern so lange warten muss.<br \/>\nWenig sp\u00e4ter kam der Arzt ins Zimmer geweht. Mist, dachte ich, das ist so einer, der im Grunde gar nicht da ist. Hallo, sagte er, schaute mir ebenfalls kurz in die Ohren und verbrachte die meiste Zeit, also ungef\u00e4hr zwei Minuten damit, Dinge in den PC einzutippen. Und schon war er wieder weg. W\u00fcnschte mir immerhin noch alles Gute.<\/p>\n<p>Die Arzthelferin kam zur\u00fcck, legte ein Handtuch auf meine Schulter, dr\u00fcckte mir eine Schale in die Hand, die ich unters Ohr halten sollte und machte im Grunde genau das gleiche wie mein alter Hausarzt, nur eben nicht mit der antiken Riesenspritze, sondern mit einem an eine Maschine angeschlossenen Schlauch. Beim ebenjenem Hausarzt f\u00fchlte ich mich dennoch aufgehobener, besonders, als die Arzthelferin mir dann noch mit einem St\u00e4bchen(?) im Ohr herumfuhrwerkte. <\/p>\n<p>Immerhin h\u00f6rte ich jetzt aber wieder. Auf der einen Seite zumindest. Die andere bem\u00e4ngelte ich, aber da w\u00e4re nur Wasser drin, ich solle den Kopf mal zur Seite legen, tats\u00e4chlich, es wurde besser, aber irgendwie \u2013 hm. Sie sah sich die Seite noch einmal an und war zufrieden mit sich. <\/p>\n<p>Am besten machen Sie das alle halbe Jahre, sagte sie zum Abschied.<br \/>\nAber sicher nicht bei Ihnen, dachte ich.<br \/>\nSagte aber schon wieder nichts.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich waren wir schwimmen. Schwimmen ist ein super Sache, bl\u00f6d nur, wenn man Wasser in die Ohren bekommt (was ja nicht ausbleibt) und auf einmal nichts mehr h\u00f6rt. Na ja, weniger h\u00f6rt als zuvor. 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