{"id":3353,"date":"2017-05-08T22:00:36","date_gmt":"2017-05-08T21:00:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/woerterwege\/?p=3353"},"modified":"2017-05-08T22:00:36","modified_gmt":"2017-05-08T21:00:36","slug":"weh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/woerterwege.wababbel.de\/?p=3353","title":{"rendered":"Weh."},"content":{"rendered":"<p>Zuhause bin ich, ganz unverkennbar. <\/p>\n<p>Unverkennbar, das sagt auch Frau W. in der Metzgerei, den Faden verliert sie gar, als sie m sieht, Also das ist ja unverkennbar!, ruft sie, meint aber nicht mich damit, jedenfalls nicht so, wie es all die anderen in der Zwischenheimat meinten.<br \/>\nUnverkennbar, wiederholt Frau W., und ihr Kunde muss drei Mal wiederholen, dass er einen halben Ring Lyoner m\u00f6chte. <\/p>\n<p>Zuhause, und das auch schon im neuen Haus, in dem es jetzt klingelt; G. klingelt, die Nachbarin, die so viel mehr ist als das; jetzt hat m ihren Spa\u00df und ich auch und G. (glaube ich) ebenso.<\/p>\n<p>Zuhause, das ist samstags zu P. hinunterlaufen, der Nachbar kommt, gefolgt von seinem Hund (oder umgekehrt), der Nachbar, der immer einen Spruch parat hat, B. kommt in den Hof gefahren, l\u00e4dt Getr\u00e4nke aus, H. kommt, geht zu den H\u00fchnern (die H\u00fchner!), W. kommt auch noch und irgendeiner l\u00e4uft den M\u00fchlbuckel hinunter, gr\u00fc\u00dfend; P. sitzt auf der Bank, oder in der Waschk\u00fcche, in der schon lange nichts mehr gewaschen wurde, \u00fcberhaupt ist sie nicht zum Waschen da, daf\u00fcr riecht es nach Schinken, niemand geht hungrig oder durstig aus der Waschk\u00fcche heraus, noch nicht einmal der B\u00fcrgermeister, so ist das Zuhause und wie die Leute reden. <\/p>\n<p>Unverkennbar sind auch die H\u00fcgel und die B\u00e4ume auf den H\u00fcgeln, Obstb\u00e4ume, Nussb\u00e4ume, ein Falke, ein Bussard, Gr\u00fcn, dieses Gr\u00fcn, und Gelb, dieses Gelb und wie das riecht. <\/p>\n<p>Aber dann laufen wir die Stra\u00dfe entlang, m findet jede Pusteblume, ich finde, es ist ziemlich laut, fuhren hier schon immer so viele Autos, und so schnell, und wo sind eigentlich die Menschen, keine alten Damen mit ihren Hunden unterwegs, auch nicht die Frau mit dem Lastenrad, und schon gar nicht das Ehepaar, immer zusammen, nie allein, immer eingehakt, er sieht aus wie Christopher Walken, ist es aber nicht; m und ich laufen zum \u00f6rtlichen Einkaufsmarkt, einkaufen war auch schon mal sch\u00f6ner, warum haben sie die Lieblingsmilch, aber nicht die Lieblingsbutter, wieso sind die Pilze cellophaniert und wo ist eigentlich die Hefe; aber das w\u00e4re alles nicht so schlimm, doch dann, an der Kasse, da ist keine Frau S., die m namentlich begr\u00fc\u00dft, sich freut und Quatsch mit ihr macht, da ist eine Frau, deren Namen ich nicht wei\u00df, sie wei\u00df unseren auch nicht, es k\u00f6nnte ihr auch nicht egaler sein, wie irgendjemand hei\u00dft, das Weh meldet sich, es meldet sich so lautstark wie die Autos, die an uns vor\u00fcber brausen, kaum, dass wir wieder auf die Stra\u00dfe hinaus treten; jetzt schnell weg, nur weg, die Stra\u00dfe hinter uns lassen und ab ins freie Feld, so war das eigentlich nicht geplant, zu matschig, zu anstrengend, aber das ist jetzt egal, nur weg, und da steht der L., Gr\u00fc\u00df dich, sagt er und es wird schon besser, das Weh, dann lassen wir auch den L. hinter uns, vor uns das Gr\u00fcn, ist das so gr\u00fcn und der Wind und die Felder und wie das riecht, und der Wald, es gibt sogar Waldmeister, und Sumpfdotterblumen, und die B\u00e4ume und die H\u00fcgel und der Wind. <\/p>\n<p>Als wir wieder zu Hause sind, haben der Wind und die H\u00fcgel und das Gr\u00fcn das Weh davongetragen, das meiste davon, unverkennbar. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuhause bin ich, ganz unverkennbar. 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