{"id":2058,"date":"2015-08-31T09:24:28","date_gmt":"2015-08-31T08:24:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/woerterwege\/?p=2058"},"modified":"2015-08-31T09:26:54","modified_gmt":"2015-08-31T08:26:54","slug":"das-glueck-der-inkonsistenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/woerterwege.wababbel.de\/?p=2058","title":{"rendered":"Das Gl\u00fcck der Inkonsistenz."},"content":{"rendered":"<p>Gestern am Badesee habe ich die Zeitschrift <em>GEO Wissen<\/em> aufgesammelt*, Thema: <a href=\"http:\/\/www.geo.de\/GEO\/heftreihen\/geo_wissen\/was-will-ich-64082.html\" target=\"_blank\"><em>Entscheidung und Intuition \u2013 Was will ich?<\/em><\/a><\/p>\n<p>Darin mehr oder weniger interessante Artikel, unter anderem auch ein Dossier, in dem man anhand diverser Tests herausfinden kann, was f\u00fcr ein Entscheider man ist, mehr Kopf, mehr Bauch, Maximierer, Satisfizierer, Bedaurer, und auch einer zum Thema: <em>\u201eNeigen Sie zu Fehlentscheidungen?\u201c<\/em><\/p>\n<p>Solchen Tests kann ich schwer widerstehen, au\u00dferdem hatte ich sowieso nichts besseres zu tun, daher suchte und fand ich einen Kugelschreiber, der sich beim besagten Fehlentscheidungstest als unn\u00f6tig herausstellte. Gleich die erste Frage f\u00fchrte n\u00e4mlich zu einem \u201eH\u00e4?\u201c und war dementsprechend nicht zu beantworten. Nicht aus mangelndem Verst\u00e4ndnis meinerseits, nein, aus Mangel an passenden Antwortm\u00f6glichkeiten. Normalerweise gibt es in solchen F\u00e4llen wenigstens die Option \u201eNa ja, passt alles nicht so ganz, aber am ehesten noch das hier.\u201c<br \/>\nHier nicht.<\/p>\n<p>Nun ja, dachte ich. Ignoriere ich die Frage eben f\u00fcrs erste und wende mich der n\u00e4chsten zu.<br \/>\nDort aber das gleiche Problem (H\u00e4?). Ich fand das jetzt doch etwas seltsam und befragte den MMM. Wer wei\u00df, vielleicht verstehe ich doch irgendetwas v\u00f6llig falsch. <\/p>\n<p>Folgendes las ich dem MMM vor:<\/p>\n<p><em>Sie m\u00f6gen Tennis, aber noch lieber gehen Sie kegeln. Gerade erst sind Sie gleichzeitig einem Tennisklub und einem Kegelklub beigetreten. Die Mitgliedschaft in Ihrem Tennisklub kostet 200 Euro im Jahr, die in Ihrem Kegelklub 50 Euro im Jahr. In der ersten Woche Ihrer Mitgliedschaft ziehen Sie sich eine Ellbogenverletzung zu. Sowohl Tennisspielen als auch Kegeln tut zu weh. Ihr Arzt sagt Ihnen, dass der Schmerz etwa ein Jahr anhalten wird.<br \/>\nW\u00fcrden Sie in den n\u00e4chsten Monaten eher Tennis spielen (a) oder kegeln (b)?<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Darunter sechs Antwortm\u00f6glichkeiten, ganz links \u201eh\u00f6chstwahrscheinlich a\u201c, ganz rechts \u201eh\u00f6chstwahrscheinlich b\u201c, dazwischen vier Abstufungen. <\/p>\n<p>Und siehe da, der MMM und ich scheinen eine \u00e4hnliche Neigung zu Fehlentscheidungen zu haben. Er n\u00e4mlich so: H\u00e4? Weder das eine noch das andere? Ich habe schlie\u00dflich Schmerzen?<\/p>\n<p>Genau.<\/p>\n<p>Die weiteren Fragen \u00e4hnlich unbeantwortbar, beziehungsweise mit der Folgefrage \u201eDie Frage stellt sich (so) doch gar nicht?\u201c verbunden.<\/p>\n<p>Zum Beispiel: Im Restaurant einen Nachtisch bestellen, nach drei Bissen feststellen, man ist pappsatt. Weiteressen oder nicht?<br \/>\nDas kommt nat\u00fcrlich drauf an. Ob der MMM dabei ist und sich als Mitesser anbietet. Ob das ein superleckerer Nachtisch ist oder eher nicht so. Au\u00dferdem stelle ich meist schon in der Mitte des Hauptgangs fest, pappsatt zu sein und bestelle erst gar keinen Nachtisch. <\/p>\n<p>Oder: Man sitzt zu zweit im Kino, der Film ist sterbenslangweilig (finden beide) &#8211; bleibt man trotzdem (man hat schlie\u00dflich Geld daf\u00fcr bezahlt) oder geht man?<br \/>\nMan geht nat\u00fcrlich. Gibt es wirklich Leute, die sich wegen schon bezahlter zw\u00f6lf Euro (oder wie viel auch immer) einen sterbenslangweiligen Film antun?<br \/>\nIch habe zwar auch schon einige Male sterbenslangweilige Filme bis zum Ende gesehen, aber das nur in der Hoffnung, dass es eventuell doch noch besser wird**. <\/p>\n<p>Oder auch: Du streichst deine Schlafzimmerwand mit einer aufwendigen Schwammtechnik. Nach zwei von vier W\u00e4nden stellst du fest: Herrje, sieht absolut schlimm aus, unifarben w\u00e4re sch\u00f6ner.<br \/>\nGibt es tats\u00e4chlich Leute, die die restlichen zwei W\u00e4nde auch noch aufwendig UND unsch\u00f6n bemalen? Um die n\u00e4chsten sieben Jahre regelm\u00e4\u00dfig beim Betreten des Schlafzimmers so etwas zu denken wie: \u201eArgh. H\u00e4tte ich doch nur &#8230;\u201c<\/p>\n<p><em>Der Effekt der versunkenen Kosten<\/em> oder auch <em>Sunk Cost Fallacy<\/em> &#8211; so nennt sich das Ph\u00e4nomen, das diesem Test zugrunde liegt. Ralf Dobelli hat in seiner FAZ-Kolumne <em>Klarer Denken<\/em> auch schon dar\u00fcber geschrieben, ebenfalls <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/2.3017\/klarer-denken-warum-sie-die-vergangenheit-vielleicht-kuenftig-mal-ignorieren-sollten-von-rolf-dobelli-11053782.html\" target=\"_blank\">mit einem Kinobeispiel<\/a> (ja, es gibt diese Leute!).<br \/>\nSeiner Meinung nach bleibt man wegen dem Anschein nach Konsistenz im Kino. Weil: Konsistenz = Glaubw\u00fcrdigkeit, und glaubw\u00fcrdig will man sein. <\/p>\n<p>Daran sollte ich k\u00fcnftig denken, wenn ich mich wegen mangelnder Disziplin\/Durchhalteverm\u00f6gen mal wieder selbst zur Schnecke mache. Eine St\u00e4rke ist das. Sehr sch\u00f6n. Und passt auch prima zu einem anderen Test im Dossier, n\u00e4mlich: <em>\u201eBedauern Sie ihre Entscheidungen oft?\u201c <\/em><br \/>\nN\u00f6. <\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><small>* \u00d6ffentliche B\u00fccherregale! Ganz gro\u00dfartige Sache.<br \/>\n** Die Hoffnung tr\u00fcgt. Im Normalfall.<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern am Badesee habe ich die Zeitschrift GEO Wissen aufgesammelt*, Thema: Entscheidung und Intuition \u2013 Was will ich? 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