{"id":2027,"date":"2015-08-16T13:52:57","date_gmt":"2015-08-16T12:52:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/woerterwege\/?p=2027"},"modified":"2015-08-16T13:52:57","modified_gmt":"2015-08-16T12:52:57","slug":"labskaus-und-die-gez","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/woerterwege.wababbel.de\/?p=2027","title":{"rendered":"Labskaus und die GEZ."},"content":{"rendered":"<p>Doch, das hat etwas miteinander zu tun. Das ist n\u00e4mlich so:<br \/>\nK\u00fcrzlich war ich allein zu Haus und zwar im Haus der Schwiegermama. Eben jene war ungef\u00e4hr 2.000 Kilometer weit weg, auch der MMM war weg, wenn auch nicht ganz so weit, jedenfalls war ich allein und hatte nichts besseres zu tun, als fernzusehen. <\/p>\n<p>Es kommt ja nix.<br \/>\nSagt man gern mal.  <\/p>\n<p>Stimmt ja auch meistens. In dem Fall war mir aber sowieso nach Trivialit\u00e4t und unterster Schublade, dass auf Vox gerade <em>Shopping Queen<\/em> lief, kam mir da ganz recht. Man lernt ja durchaus dazu, selbst in diesem Fall. Seither wei\u00df ich, was eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Clutch_%28Handtasche%29\" target=\"_blank\">Clutch<\/a> ist. <\/p>\n<p>Au\u00dferdem k\u00f6nnte das mit der Trivialit\u00e4t und der untersten Schublade auch ein Vorurteil sein. Vielleicht. <\/p>\n<p>Nun ja. Die Sendung dauerte gef\u00fchlte drei Stunden. Ein Drittel davon waren Werbepausen, ein weiteres Drittel die Wiederholung dessen, was man vor der Werbepause schon mal gesehen hatte. Dann bleibt noch das Eigentliche, in diesem Fall geht jemand Kleider und Accessoires einkaufen, w\u00e4hrend andere die Wohnung der Einkaufenden durchst\u00f6bern. So richtig. Inklusive Schr\u00e4nke und Schubladen \u00f6ffnen und w\u00e4hrenddessen mehr oder weniger h\u00e4mische Kommentare zum Durchst\u00f6berten abgeben. Wenn man Pech hat, bringt eine der Durchst\u00f6bernden noch ihren Hund mit, der dann munter sabbernd durch Wohnung und Bett h\u00fcpft. <\/p>\n<p>Irgendwann geht es ans Eingemachte bzw. Eingekaufte. Die Einkaufende f\u00fchrt vor (wird vorgef\u00fchrt?), holt sich weitere Kommentare ab (nun meistens nicht mehr ganz so h\u00e4misch, da von Angesicht zu Angesicht), das Eingekaufte wird von den Durchst\u00f6berinnen mit Punkten beurteilt. <\/p>\n<p>Danach brauchte ich erst einmal eine Fernsehpause. <\/p>\n<p>Sp\u00e4ter regnete es immer noch, die mitgebrachten B\u00fccher waren nicht ganz so mitrei\u00dfend wie erhofft, der MMM war immer noch nicht da, ich \u201emusste\u201c noch einmal fernsehen. <\/p>\n<p>Dieses Mal traf ich im Bayrischen Fernsehen auf die <a href=\"http:\/\/www.br.de\/fernsehen\/bayerisches-fernsehen\/sendungen\/landfrauenkueche\/index.html\" target=\"_blank\">Landfrauenk\u00fcche<\/a>. Gleiches Prinzip. Eigentlich.<br \/>\nSieben Landfrauen besuchen sich gegenseitig, eine kocht, die anderen bekommen die Gegend gezeigt und sp\u00e4ter das Essen vorgesetzt, das die Eine gekocht hat. F\u00fcr jeden Gang und f\u00fcrs Ambiente verteilen die Bekochten Punkte; am Ende, in der achten Folge, gehen alle Sieben zusammen auf die Reise, eine Gesamtsiegerin wird verk\u00fcndet und die Siegerinnen f\u00fcr Vorspeise, Hauptspeise und Dessert.<br \/>\nDie Sendung dauert eine Dreiviertelstunde, nat\u00fcrlich ohne Werbung, angenehmerweise auch ohne h\u00e4mische Kommentare. Durchaus realistisch, dass die Frauen auch nach der Sendung noch befreundet bleiben (statt darauf zu hoffen, sich niemals wiederzusehen).<br \/>\nDie Bewertung bleibt geheim, am Ende erf\u00e4hrt man nur, wer jeweils gewonnen hat. Die Beteiligten beteuern des \u00f6fteren, sowieso allesamt Gewinnerinnen zu sein, allein durchs dabei sein.<br \/>\nMan glaubt es ihnen.<\/p>\n<p>Und ich bekam beim Zusehen gro\u00dfe Lust, selbst Landfrau zu werden. Ich wei\u00df es nat\u00fcrlich besser, in Wirklichkeit k\u00f6nnte und wollte ich keine Landfrau sein, nat\u00fcrlich ist so eine Sendung auch immer ein bisschen weichgezeichnet, mit gelebten Tr\u00e4umen des Miteinanders, des Zusammenhelfens, im Einklang mit der Natur sein und all jenen Inhalten, die daf\u00fcr sorgen, dass sich Zeitschriften wie <em>Landlust<\/em> so gut verkaufen.<br \/>\nDass ein Miteinander auch nicht immer sch\u00f6n ist, dass die Natur auch mal Probleme bereitet, gerade, wenn man auf sie angewiesen ist, das wird das zwar auch erw\u00e4hnt, aber mehr so am Rande.<\/p>\n<p>Um aber mal die Kurve zu bekommen: Daf\u00fcr zahle ich gern GEZ. Obwohl wir gar keinen \u201eechten\u201c Fernseher besitzen. Den gibt es nur bei der Schwiegermama.<br \/>\nEben jene ist mittlerweile l\u00e4ngst wieder zu Hause, ich bin es auch, der MMM allerdings genauso wenig wie der Kater.<br \/>\nEin Sonntag zum Fernsehen, dachte ich mir und suchte nach einer bisher ungesehenen Folge der Landfrauenk\u00fcche. <\/p>\n<p>Wenn ich mich selbst versorgen muss, ist es ja meistens so, dass der MMM hinterher, wenn er zur\u00fcckkommt und h\u00f6rt, wie ich mich versorgt habe (oder eben auch nicht), kopfsch\u00fcttelnd Pl\u00e4ne f\u00fcr eine gesunde Gem\u00fcsek\u00fcche macht, die er prompt in die Tat umsetzt.<br \/>\nDas muss er diese Mal nicht tun. Den Kopf sch\u00fctteln meine ich, von der gesunden Gem\u00fcsek\u00fcche l\u00e4sst er sich vermutlich nicht abbringen.<br \/>\nDenn ich habe ja den Landfrauen zugesehen. Und die sind total begeistert von dem, was sie tun und vor allem von dem, was sie kochen. Sehr ansteckend, diese Begeisterung, gerade dann, wenn man noch nicht gefr\u00fchst\u00fcckt hat. <\/p>\n<p>Und damit bin ich am Ende beziehungsweise am Anfang, n\u00e4mlich beim Labskaus. Von der Begeisterung der Landfrauen angesteckt, wollte ich auch etwas kochen, es waren noch ein paar hutzelige rote R\u00fcben da, zwei Kartoffeln, Zwiebeln, ein Ei \u2013 die Entscheidung fiel leicht, sie fiel auf Labskaus*.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich in der K\u00fcche werkelte, erz\u00e4hlte die portraitierte Landfrau aus ihrem Alltag, fing an zu kochen, ich ebenso und irgendwann sa\u00df ich unterm Terrassendach, auf das der Regen tropfte; vor mir mein Labskaus mit der letzten Gurke, einem Spiegelei und angebratenen Zwiebeln; vor mir auch der Laptop auf dem die letzten Minuten der Landfrauenk\u00fcche liefen. <\/p>\n<p>Sehr zufrieden sa\u00df ich da, sah in den Garten und war herzlich froh, an einem Punkt angekommen zu sein, an dem ich nicht mehr denke, ich sollte ebenfalls einen Gem\u00fcsegarten haben, ein paar H\u00fchner, G\u00e4nse und Ziegen besitzen, in einem Chor singen, oder wenigstens ein Instrument spielen, Heuherzen binden und Marmelade einkochen, r\u00e4uchern, k\u00e4sen und metzgern lernen.<br \/>\nSo schade ich es manchmal auch finde, mein Weg ist das nicht. <\/p>\n<p>Aber an verregneten Sonntagen von den richtigen Wegen anderer Frauen zum Tr\u00e4umen eingeladen zu werden, das ist auch eine feine Sache.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><small>* Labskaus kenne ich erst, seit ich dieses Buch besitze: <a href=\"https:\/\/www.brandstaetterverlag.com\/buch\/deutschland-vegetarisch\" target=\"_blank\"><em>Deutschland Vegetarisch<\/em> von Stevan Paul und Katharina Seiser.<\/a> Ein sehr empfehlenswertes Buch, kennengelernt habe ich es bei <a href=\"http:\/\/www.herzdamengeschichten.de\/\" target=\"_blank\">Herrn Buddenbohm<\/a>, mein bisheriges Lieblingsrezept: Labskaus.<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Doch, das hat etwas miteinander zu tun. 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